Uma hora de Fado
Tony Riga, Gesang
Matthias Baumgardt, Gitarren / Mandoline
Der Fado erlaubt es uns, Traurigkeit auch als Schönheit zu empfinden und Saudade als wertvollen Teil unseres Lebens anzunehmen.
Doch so beständig wie der Fado seit über 100 Jahren gesungen wird, so häufig steht er auch in der Kritik: Zur Zeit der Salazar-Diktatur wurden unbequeme Lieder verboten, weil sie das Leid der Menschen nicht verschwiegen. Nach der Nelkenrevolution wiederum stand der Fado im Ruf, romantisierend eine grausame Vergangenheit zu beschönigen.
Dennoch ist Fado zur musikalischen Heimat einer stolzen Volksmentalität geworden, die von Fernweh, Armut, Kraft und innerem Reichtum geprägt ist.
„Uma hora de Fado“ ist ein einzigartiges Programm, das mit Fado-Klassikern, Songs aktueller portugiesischer Liedermacher, sowie mit Chanson und Tango die Seele anspricht.
Krishna Meindl – Aufnahme / Mischung
Christoph Matlok – Endbearbeitung
Charlotte Eiermann – Illustration
Maggus Ott – Fotos
Björn Berndt – Text
Paulo Onofre Pacheco – Beratung
Oktober 2026
tony-riga.de/fado
tony.riga@gmx.de
eine Produktion vom studio-fm, Frankfurt
fame-music.de
Auflage von 500 CDs 2026
Spielzeit 57:19 min
1 Canção do mar Frederico de Brito, Ferrer Trindade 3’16
Lied vom Meer
2 Há quem o chame Vadio Miguel Brito Rebelo 2’55
Manche nennen ihn Lump
3 Tudo isto é Fado Aníbal Nazaré, Fernando de Carvalho 4’51
All das ist Fado / Schicksal
4 Povo que lavas no rio P. Homem de Mello, J. Campos 4’49
Volk, das im Fluss wäscht
5 Canoas do Tejo Frederico de Brito 3’52
Die Boote des Tejo
6 Fado português Alain Oulman, José Régio 4’46
Wie der Fado geboren wurde
7 Revelação Júlio de Sousa, Álvaro Martins 4’48
Bekenntnis
8 Carlo Matthias Baumgardt
4’29
(instr.)
9 Uma casa portuguesa Reinaldo Ferreira, Artur Fonseca 2’55
Ein portugiesisches Haus
10 Da janela do meu quarto Vilar da Costa, Nóbrega Sousa 3‘01
Vom Fenster meines Zimmers
11 Um copo de sol Pedro Moutinho 2’58
Ein Glas Sonnenschein
12 Gaivota Alain Oulman, Alexandre O’Neill 4’26
Möve
13 Valeu a pena Moniz Pereira
2:39
Es hat sich gelohnt
14 Chiquilín de Bachín Horacio Ferrer, Astor Piazzolla 3’56
Vals tango argentino – Der Kleine vom Bachín
15 Mon amant de Saint Jean Léon Agel, Émile Carrara 3’03
Valse musette – Mein Schwarm vom Johannistag
Cancão do mar
Fui bailar no meu batel, além do mar cruel –
e o mar bramindo diz que eu
fui roubar a luz sem par do teu olhar tão lindo.
Vem saber, se o mar terá razão.
Vem cá ver bailar meu coração.
Se eu bailar no meu batel não vou ao mar cruel –
e nem lhe digo aonde eu
fui cantar, sorrir, bailar, viver, sonhar contigo.
Lied vom Meer
Tanzen war ich, in meinem Boot draußen auf dem grausamem Meer
und das tosende Meer sagt, ich hätte das unvergleichliche Licht deines so schönen Blicks gestohlen.
Komm, finde heraus, ob das Meer Recht hat.
Komm und sieh mein Herz tanzen.
Wenn ich in meinem Boot tanze, fahre ich nicht hinaus auf das grausame Meer – und ich sage dir auch nicht, wo ich hingefahren bin, um zu singen, zu lächeln, zu tanzen, zu leben und von dir zu träumen.
Há quem o chame vadio
Tem a alma do povo – dor, destino e saudade
Canto do homem novo a mágoa e a esperança, o rio, a cidade.
Foi fidalgo embuçado – cavalo, toiro e campino
Sempre de boca em boca desde menino
Chegou à Mouraria pela voz de uma mulher
Andou na Madragoa com as cores dum malmequer
Alfama fez-lhe a corte e ofereceu-lhe um manjerico
E foi no Bairro Alto que arranjou um namorico
Soam trinados nos céus, sons de amor à guitarra
Versos que sendo tão seus evocam lamentos cantados com garra.
Há quem o chame vadio – Pobre por ser desgarrado
Triste sina a de quem
nunca canta o fado!
Manche nennen ihn Lump
Er hat die Seele des Volkes, den Schmerz, das Schicksal, die Sehnsucht.
Gesang des neuen Menschen, von Trauer und Hoffnung,
vom Fluss, von der Stadt.
Er war schon maskierter Edelmann, war Pferd, ein Stier oder Viehtreiber…
Doch immer von Mund zu Mund seit meiner Kindheit.
Er kam nach Mouraria dank der Stimme einer Frau.
Er wanderte in Madragoa in den Farben einer Ringelblume.
Alfama umwarb ihn und schenkte ihm einen Manjerico –
Und es war im Bairro Alto, wo er seine Geliebte fand.
Triller erklingen am Himmel, Klänge der Liebe auf der Gitarre.
Verse, die so sehr Fado sind, dass sie wehtun vor Leidenschaft.
Aber manche nennen ihn einen Lump – armselig, weil er verloren sei.
Doch welch trauriges Schicksal tragen die,
die niemals den Fado singen!
Tudo isto é Fado
Perguntaste-me outro dia, se eu sabia o que era o fado
Eu disse que não sabia, e tu ficaste admirado.
Sem saber o que dizia eu menti naquela hora
E disse-te que não sabia, mas vou-te dizer agora
Almas vencidas, noites perdidas, sombras bizarras
Na Mouraria canta um rufia, choram guitarras.
Amor de ciúme, cinzas e lume, dor e pecado.
Tudo isto existe, tudo isto é triste, tudo isto é fado
Se queres ser o meu senhor e teres-me sempre a teu lado
Não me fales só de amor, fala-me também do fado.
O Fado que é o meu castigo, só nasceu p’ra me perder.
O fado é tudo o que digo, mais do que eu não sei dizer…
All das ist Fado
Neulich hast du mich gefragt, ob ich wüsste, was Fado ist.
Ich sagte, ich wüsste es nicht, und du warst überrascht.
Ohne zu überlegen, was ich sagte, hatte ich in diesem Moment gelogen.
Ich sagte dir, ich wüsste es nicht, aber jetzt werde ich es dir sagen:
Besiegte Seelen, verlorene Nächte, bizarre Schatten…
In Mouraria grölt ein Schurke, und Gitarren weinen.
Eifersüchtige Liebe, Asche und Feuer, Schmerz und Sünde.
All das gibt es, all das ist traurig, all das ist Fado
Wenn du mein Mann sein willst
und mich immer an deiner Seite haben möchtest
Dann sprich nicht nur von Liebe, sprich auch vom Fado.
Der Fado, der meine Strafe ist, wurde nur geschaffen, mich zu vernichten
Denn Fado ist alles, was ich sage. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Povo que lavas no rio
Povo que lavas no rio,
que talhas com o teu machado
As tábuas do meu caixão
Pode haver quem te defenda,
quem compre o teu chão sagrado.
Mas a tua vida não
Fui ter à mesa redonda,
beber em malga que esconda
O beijo de mão em mão
Era o vinho que me deste,
Água pura, fruto agreste
Mas a tua vida não
Aromas de urze e de lama.
Dormi com eles na cama
Tive a mesma condição.
Povo, povo, eu te pertenço,
deste-me alturas de incenso
Mas a tua vida não
Volk, das im Fluss wäscht
Volk, das im Fluss wäscht,
du schlägst mit deiner Axt
die Bretter für meinen Sarg.
Es mag Leute geben, die euch verteidigen,
die euren heiligen Boden kaufen,
Aber euer Leben nicht.
Ich saß mit euch am runden Tisch,
um gemeinsam aus einer Schale zu trinken,
ein versteckter Kuss, der von Hand zu Hand ging.
Es war Wein, den du, Volk, mir gegeben hast,
reines Wasser, wilde Früchte…
Aber dein Leben nicht
Der Duft von Heidekraut und Schlamm…
Ich schlief mit ihnen im Bett.
Ich hatte die gleichen Bedingungen
Volk, Volk, ich gehöre zu dir!
Du hast mir den Segen des Weihrauchs gegeben.
Aber dein Leben nicht
Canoas do Tejo
Canoa de vela erguida
Que vens do Cais da Ribeira
Gaivota, que andas perdida
Sem encontrar companheira
O vento sopra nas fragas
O Sol parece um morango
E o Tejo baila com as vagas
A ensaiar um fandango
Canoa – Conheces bem
Quando há norte pela proa
Quantas docas tem Lisboa
E as muralhas que ela tem
Canoa – Por onde vais?
Se algum barco te abalroa
Nunca mais voltas ao cais
Nunca, nunca, nunca mais
Canoa de vela panda
Que vens da boca da barra
E trazes na aragem branda
Gemidos de uma guitarra
Teu arrais prendeu a vela
E se adormeceu, deixa-lo
Agora muita cautela
Não vá o mar acordá-lo
Boote auf dem Tejo
Kleines Boot mit gehisstem Segel,
du kommst vom Kai der Ribeira…
Möwe, du fliegst so verloren
ohne deinen Partner zu finden.
Der Wind weht über die Felsen,
die Sonne gleicht eine Erdbeere…
Und der Tejo tanzt mit den Wellen,
so als versuchte er einen Fandango.
Kleines Boot – du kennst es wohl,
wenn der Nordwind vom Bug her weht,
über die vielen Docks von Lissabon
und all die Mauern, die es hat.
Kleines Boot – wo fährst du hin?
Denn wenn je ein Boot dich rammt,
kommst du nie zum Kai zurück
nimmer, nimmer, nimmermehr.
Kleines Segelboot,
kommst von der Mündung der Barra
und bringst im sanften Wind
die Seufzer einer Gitarre mit…
Dein Steuermann hat das Segel festgemacht
und ist er eingeschlafen, dann lass ihn.
Jetzt sei sehr vorsichtig.
Das Meer darf ihn nicht wecken
Fado Portugues
O Fado nasceu um dia,
quando o vento mal bulia
e o céu o mar prolongava.
Na amurada dum veleiro,
no peito dum marinheiro,
que, estando triste, cantava:
„Ai, que lindeza tamanha,
meu chão, meu monte, meu vale,
de folhas, flores, frutas de oiro,
vê se vês terras de Espanha, areias de Portugal.“
…olhar ceguinho de choro.
Na boca dum marinheiro
do frágil barco veleiro,
morrendo a canção magoada,
Diz o pungir dos desejos
do lábio a queimar de beijos
que beija o ar, e mais nada:
„Mãe, adeus. Adeus, Maria.
Guarda bem no teu sentido,
que aqui te faço uma jura:
que ou te levo à sacristia,
ou foi Deus que foi servido
dar-me no mar sepultura.
Ora eis que embora outro dia,
quando o vento nem bulia
e o céu o mar prolongava.
À proa de outro veleiro
velava outro marinheiro,
que, estando triste, cantava:
„Ai, que lindeza tamanha,
meu chão, meu monte, meu vale,
de folhas, flores, frutas de oiro,
vê se vês terras de Espanha, areias de Portugal.“
…olhar ceguinho de choro.
Wie der Fado geboren wurde
Es war an jenem Tag, als der Wind sich kaum rührte
und der Horizont den Himmel und das Meer verschmolz,
als der Fado geboren wurde.
Dort, im Herzen jenes Seemanns,
der an der Reling seines kleinen Segelschiffs stand
und so traurig sang:
„Oh, welche Schönheit!
Mein Land, meine Berge, mein Tal –
voller Blätter, Blüten und voller goldener Früchte.
Schaut hinaus, ob ihr die Spanischen Länder sehen könnt,
meine Küste von Portugal.“
So sang er, blind vor Tränen.
Das traurige Lied verklingt im Mund des Matrosen.
Es erzählt vom Schmerz des Verlangens.
Von Lippen, die vor Küssen brennen:
von Küssen, die nur die Luft küssen und sonst nichts.
Er singt weiter:
„Leb wohl Mutter. Leb wohl Maria,
behaltet mich gut in Erinnerung,
denn hier und jetzt schwöre ich,
dass ich dich entweder zum Altar führe
oder dass es Gottes Wille ist,
mir ein Grab auf See zu bereiten.“
Und sieh mal da…
An einem anderen Tag,
als der Wind sich nicht einmal regt,
da steht am Bug eines anderen zerbrechlichen Schiffchens
ein anderer Seemann,
der traurig singt:
„Oh, welche Schönheit!
Mein Land, meine Berge, mein Tal –
voller Blätter, Blüten und voller goldener Früchte.
Schaut hinaus, ob ihr die Spanischen Länder sehen könnt,
meine Küste von Portugal.“
Und so singt er, blind vor Tränen.
Revelação
Quis pôr meu coração nas tuas mãos
dizer-te, que te amo, que te espero,
mas faltam-me as palavras e são vãos
desejos, de qu´intuas o que quero
Mas porque mo exige o teu olhar
e porque o devo ao nosso futuro,
cantando abro a minh´alma e ao cantar
o que, quero dizer, fica mais puro
O fado conhece o meu coração
e nele a minha alma transparente.
Liberta das amarras da razão
e traz à tona aquilo, que se sente
Cresci, habituado a guardar tudo
e um homem não se mostra desarmado.
Mas ante ti não posso ficar mudo
amor p‘ra ser amor tem de ser dado
Por isso deixa qu‘este meu canto
te toque no mais íntimo do ser.
Talvez sintas então que ti amo tanto
e qu´esta é a maneira de o dizer:
O fado conhece o meu coração…
Geständnis
Ich wollt mein Herz in deine Hände legen,
dir sagen, dass ich dich liebe und auf dich hoffe.
Aber mir fehlen die Worte und vergeblich ist der Wunsch,
dass du begreifst, was ich will.
Doch weil dein Blick es von mir verlangt
und weil ich es unserer Zukunft schuldig bin,
öffne ich singend meine Seele
und beim Singen wird klarer, was ich sagen will:
Der Fado, er kennt mein Herz
und meine transparente Seele,
befreit sie von den Fesseln der Vernunft
und bringt hervor, das was man fühlt
Ich wuchs auf, daran gewohnt, alles für mich zu behalten,
denn niemals zeigt ein Mann sich je entwaffnet.
Vor dir jedoch, da darf ich nicht verstummen:
Um Liebe zu sein, muss Liebe gegeben werden!
Darum, lass zu, dass mein Gesang
dich im Innersten deines Seins berührt.
Vielleicht fühlst du dann ja, dass ich dich so sehr liebe
und dass dies der Weg ist, es dir zu sagen:
Der Fado, er kennt mein Herz…
Uma casa portuguesa
Numa casa portuguesa fica bem
Pão e vinho sobre a mesa.
E se à porta humildemente bate alguém,
Senta-se à mesa com a gente.
Fica bem essa fraqueza, fica bem,
Que o povo nunca a desmente
A alegria da pobreza
Está nesta grande riqueza
De dar, e ficar contente.
Quatro paredes caiadas, um cheirinho à alecrim,
um cacho de uvas doiradas, duas rosas num jardim.
Um São José de azulejo, mais o sol da primavera,
Uma promessa de beijos
Dois braços à minha espera…
É uma casa portuguesa, com certeza!
É, com certeza, uma casa portuguesa!
No conforto pobrezinho do meu lar,
Há fartura de carinho
A cortina da janela e o luar,
Mais o sol que bate nela
Basta pouco, poucochinho pra alegrar
uma existência singela
É só amor, pão e vinho
e um caldo verde, verdinho
a fumegar na tijela
Quatro paredes…
Ein portugiesisches Haus
In einem portugiesischen Haus
da gehören Brot und Wein auf den Tisch,
und wenn jemand bescheiden an die Tür klopft,
dann setzt er sich zu uns an den Tisch.
Diese Einfachheit passt einfach gut. Ja, sie steht uns gut,
denn das Volk verleugnet sie niemals.
Die Freude der Armut
liegt im großen Reichtum des Gebens –
und dabei zufrieden zu sein.
Vier weißgekalkte Wände, ein Düftchen von Rosmarin,
eine goldene Rebe von Weintrauben, zwei Rosenstöcke im Garten,
der São José aus Kacheln und dazu die Frühlingssonne,
ein Versprechen von Küssen,
zwei Arme, die auf mich warten…
Das ist ganz sicher ein portugiesisches Haus!
Ganz sicher: es ist ein portugiesisches Haus!
In der armseligen Gemütlichkeit meines Zuhauses
da gibt’s aber Zuneigung im Überfluss.
Der Vorhang am Fenster und der Mondschein,
dazu die Sonne, die darauf scheint,
Was sonst braucht es denn schon?
Es reicht so wenig, wirklich ganz, ganz wenig,
um ein einfaches Leben zu erheitern:
Nur Liebe, Brot und Wein sind‘s
und ein Caldo Verde, aber richtig verde,
der dampfend in der Schüssel steht
Vier weißgekalkte Wände…
Da janela do meu quarto
Da janela do meu quarto vejo a luz, do quarto dela.
Quando a lua vem brincando nos telhados da viela.
Vejo o sol de madrugada a beijar sete colinas.
Quando se espraia no cais para espreitar as varinas
Da janela do meu quarto vejo o mundo.
Tenho um mundo de poesia para ver.
Vejo alfama que labuta com ardor a sorrir e a cantar.
Vejo o tejo a espreguiçar-se lá no fundo.
Vejo a ronda ela passa a correr.
Vejo a sé onde à tardinha
com fervor ela vai sempre a rezar.
Vejo pares de namorados, almas cheias de ilusões.
Toda a magia de um fado e a alegria dos pregões.
E à noitinha quando as sombras vestem de luto a viela.
Da janela do meu quarto vejo a luz, do quarto dela.
Vom Fenster meines Zimmers aus
Vom Fenster meines Zimmers aus sehe ich das Licht aus ihrem Zimmer, wenn der Mond auf den Dächern der Gasse spielt.
Ich sehe die Morgensonne, die die sieben Hügel Lissabons küsst, wie
sie sich auf dem Kai ausbreitet, um die ersten Marktfrauen zu belauern.
Vom Fenster meines Zimmers aus sehe ich die Welt.
Und ich bekomme eine Welt voller Poesie zu sehen.
Ich sehe Alfama, wo man mit Eifer arbeitet, wo man lächelt und singt.
Ich sehe den Tejo, der sich dort unten ausbreitet.
Ich sehe die Nachtwache, die vorbeirennt.
Und ich sehe auf die Kirche,
wo sie am Abend immer hingeht – voller Inbrunst zum Beten.
Ich sehe Liebespaare, Seelen voller Illusionen.
Die ganze Magie eines Fado und die Freude der Marktschreier.
Und am Abend, wenn die Schatten die Gasse in Trauergewänder hüllen,
seh ich vom Fenster meines Zimmers aus das Licht aus ihrem Zimmer.
Um copo de sol
Bebe um copo de sol com mais de mil milhões de anos.
Que é da estirpe das estrelas que destilam – os humanos
Deixa o calor afogar-se na veia
Há lá coisa assim mais séria
que andar nesta bebedeira
Bebe um copo de sol, um de copo sol „on the rocks“
E tem paixões siderais de Lisboa até Cascais
P’ra beber sol o mundo inteiro é uma tasca
Onde a gente se enfrasca
de manhã ao pôr do sol
Bebe um copo de sol que a tarde vem bem avançada
A lua está mesmo a chegar e p’ra beber nunca tem nada
P’ra se vingar a lua inventa um arder
Que num fermento qualquer a gente aprende a beber
Bebe um copo de sol por mim, por ti, por todos nós
Frutos da seiva solar que nos fez netos, nos faz avós
Vai luz adentro ao campo bom desta adega
Como um corpo que se dá
Bebe o sol que a ti se entrega
Ein Glas Sonnenschein
Trink ein Glas Sonnenschein, das mit mehr als einer Milliarde Jahren
aus einer Linie von Sternen stammt, die die Menschen austrocknet.
Lass diese Hitze einfach in deinen Adern versinken.
Gibt’s denn was Bedeutenderes,
als sich diesem Rausch hinzugeben?
Trink ein Glas Sonnenschein: „Sonnenschein on the rocks”.
Und fühl die himmlische Leidenschaft von Lissabon bis Cascais.
Beim Sonnetrinken ist die ganze Welt eine Kneipe,
in der wir uns von morgens
bis zum Sonnenuntergang die Kante geben.
Trink ein Glas Sonnenschein, der Nachmittag ist weit fortgeschritten
Der Mond steht bereits vor der Tür. Doch zu Trinken gibt es bei ihm nichts.
Um sich zu rächen, erfindet der Mond einen Brand,
der uns mithilfe von vergorenem Zeugs, das Trinken lehrt…
Trink doch lieber ein Glas Sonnenschein. Auf mich, auf dich, auf uns alle!
Wir sind die Früchte dieses Sonnensaftes,
der uns zu Enkeln gemacht hat, uns zu Großeltern macht.
Geh in das Licht, ins gute Feld dieses Sonnen-Weinkellers,
ganz so wie ein Körper, der einfach nachgibt.
Und trink die Sonne, die sich dir hingibt
Gaivota
Se uma gaivota viesse trazer-me o céu de Lisboa
no desenho que fizesse
Nesse céu onde o olhar é uma asa que não voa,
esmorece e cai no mar.
Que perfeito coração no meu peito bateria.
Meu amor na tua mão
nessa mão – onde cabia perfeito o meu coração
Se um português marinheiro dos sete mares andarilho,
fosse quem sabe o primeiro
A contar-me o que inventasse se um olhar de novo brilho
ao meu olhar se enlaçasse.
Que perfeito coração no meu peito bateria…
Meu amor na tua mão
nessa mão – onde cabia perfeito o meu coração
Se ao dizer adeus à vida,
As aves todas do céu me dessem na despedida
O teu olhar derradeiro -esse olhar que era só teu,
amor, que foste o primeiro
Que perfeito coração morreria no meu peito.
Meu amor na tua mão
nessa mão, onde perfeito bateu o meu coração
Möwe
Käm eine Möwe, mir zu zeigen den Himmel über Lissabon,
in diesem Bild das ich mir male
und meinem Blick wär sie ein Flügel nur,
der blass und welk ins Wasser fällt.
Welch ein vollkomm‘nes Herz schlüge wohl in meiner Brust!
Denn meine Liebe läg in deiner Hand,
dieser Hand, in die mein Herz dann so vollkommen passte.
Und käm ein Seemann dann, ein Wanderer der Sieben Meere,
so wüsste er, vielleicht als erster wohl, was ich ersehne.
Ein Hoffnungsschimmer der würd verschmelzen dann,
zu Glanz in meinen Augen.
Welch ein vollkomm‘nes Herz schlüg dann in meiner Brust!
Denn meine Liebe läg in deiner Hand,
der Hand, in die mein Herz dann so vollkommen passte.
Und wenn es heißt „Ade, mein Leben“,
dann gäben alle Vögel dort am Himmel mir den Abschied
und diesem Blick, der nur der deine war,
Geliebter ja, du warst der erste.
Welch ein vollkomm‘nes Herz stürbe dann in meiner Brust!
Und meine Liebe ruhte dann in deiner Hand,
dieser Hand, wo so vollkommen schlug mein Herz.
Valeu a pena
Com voz serena perguntaram-me ao ouvido:
„Valeu a pena, vir ao mundo ter nascido?“
Com lealdade vou responder, mas primeiro consultei
meu travesseiro sobre a verdade.
Tive porém, que lembrar o meu passado,
horas de boas do meu fado – e as más também.
Valeu a pena ter vivido o que vivi.
Valeu a pena ter sofrido o que sofri.
Valeu a pena ter amado quem amei,
ter beijado quem beijei.
Valeu a pena!
Es hat sich gelohnt
Mit leiser Stimme hat man mich ins Ohr gefragt:
„Hat es sich gelohnt, auf die Welt gekommen zu sein?“
Ich werde ehrlich antworten, aber zuerst
habe ich mein Kopfkissen nach der Wahrheit befragt.
An meine Vergangenheit musste ich mich jedoch erinnern,
an die guten Stunden meines Schicksals – und auch an die schlechten.
Es hat sich gelohnt, das zu erleben, was ich erlebt habe.
Es hat sich gelohnt, das zu erleiden, was ich erlitten habe.
Es hat sich gelohnt, die zu lieben, die ich geliebt habe,
die zu küssen, die ich geküsst habe.
Es hat sich gelohnt!
Chiquilín de Bachín
Por las noches, cara sucia de angelito con bluyín
vende rosas en las mesas del boliche de Bachín.
Si la luna brilla sobre la parrilla
come luna y pan de hollín.
Cada día en su tristeza que no quiere amanecer
lo madruga un seis de enero con la estrella del revés
y tres reyes gatos roban sus zapatos
uno izquierdo y el otro, ¡también!
Chiquilín, dame un ramo de voz.
Así salgo a vender mis vergüenzas en flor.
Baleame con tres rosas que duelan a cuenta
del hambre que no te entendí, chiquilín.
Cuando el sol pone a los pibes delantales de aprender
él aprende cuánto cero le quedaba por saber.
Y a su madre mira yira que te yira
pero no la quiere ver.
Cada aurora, en la basura con un pan y un tallarín
se fabrica un barrilete para irse, ¡y sigue aquí!
Es un hombre extraño niño de mil años
que por dentro le enreda el piolín.
Chiquilín, dame un ramo de voz.
Así salgo a vender mis vergüenzas en flor.
Baleame con tres rosas que duelan a cuenta
del hambre que no te entendí, Chiquilín.
Der Kleine aus dem Bachín
In der Nacht mit seinem schmutzigen Engelsgesicht und in Bluejeans,
da verkauft er Rosen an den Tischen in der Tanzbar vom Bachín.
Wenn der Mond über dem Grill scheint,
dann isst er nur Mond und Brot aus Ruß.
Alltäglich ist seine Traurigkeit, die sich nicht erhellen will,
und so erwacht er am Dreikönigstag mit umgekehrter Sternenkrone
Und drei Katzenkönige stehlen ihm seine Schuhe,
einen linken und den anderen auch!
Chiquilín, so gib mir doch einen Strauß voll Stimme!
Und dann geh ich, um meine Scham in Form von Blüten zu verkaufen.
Beschieß mich mit drei Rosen, die schmerzen vor lauter Hunger,
einem Hunger, den ich nicht verstanden habe, Chiquilín.
Wenn die Sonne den andern Kindern Schuluniformen zum Lernen anlegt,
dann lernt er, wie viel von Null und Nichts ihm noch zu lernen blieb.
Und er sieht seine Mutter an, wie sie da schlendert,
aber er will sie so nicht sehen.
Jeden Morgen, da im Müll, mit etwas Brot und einer Nudel,
da baut er sich einen Drachen, um wegzugehen, und bleibt doch hier!
Das ist ein seltsamer Mann, ein tausendjähriges Kind,
das im Innern ganz wirr ist .
Chiquilín, so gib mir doch einen Strauß voll Stimme!
Und dann geh ich, um meine Scham in Form von Blüten zu verkaufen.
Beschieß mich mit drei Rosen, die wehtun, vor lauter Hunger,
einem Hunger, den ich nicht verstanden habe, Chiquilín.
Mon amant de Saint-Jean
Je ne sais pas pourquoi j’allais danser a Saint-Jean, au musette,
mais quand un gars m’a pris un baiser,
j’ai frisonné, j’étais chippée.
Comment ne pas perdre la tête,
serrée par des bras audacieux,
Car l’on croit toujours aux doux mots d’amour,
Quand ils sont dits avec les yeux.
Moi, qui l’aimais tant,
Je le trouvais le plus beau de Saint-Jean,
Je restais grisée sans volonté sous ses baisers.
Sans plus réfléchir, je lui donnais le meilleur de mon être,
Beau parleur, chaque fois qu’il mentait,
je le savais, mais, je l’aimais.
Mais hélas, à Saint-Jean comme ailleurs,
un serment n’est qu’un leurre,
J’étais folle de croire au bonheur
et de vouloir garder son coeur.
Moi, qui l’aimais tant,
mon bel amour,
mon amant de Saint-Jean!
Il ne m’aime plus.
C’est du passé.
N’en parlons plus.
Mein Schwarm vom Johannistag
Ich weiß nicht, warum ich am Saint-Jean zum Musette tanzen ging,
aber als mir dieser Typ einen Kuss gab, erschauerte ich,
da war ich hin und weg.
Wie soll man denn da nicht den Kopf verlieren,
umschlungen von so kühnen Armen.
Man glaubt doch immer an so süße Liebesworte,
besonders wenn sie mit den Augen gesprochen werden.
Ich, der ich ihn so sehr liebte,
fand ihn den Schönsten vom ganzen Saint-Jean,
ich war wie berauscht und willenlos unter seinen Küssen.
Ohne weiter nachzudenken, schenkte ich ihm mein Allerbestes,
So ein schöner Redner war er. Jedes Mal, wenn er log,
wusste ich es, aber – ich liebte es.
Aber leider ist am Saint-Jean – genau wie sonstwann –
ein Schwur auch nur eine Täuschung.
So verrückt war ich, an das Glück zu glauben
und sein Herz behalten zu wollen.
Ich, der ich ihn so sehr liebte,
meine wunderschöne Liebe,
meinen Geliebten vom Saint-Jean!
Er liebt mich nicht mehr.
Das ist Vergangenheit.
Lass gut sein…